#Aufschrei

Die aktuelle Sexismus-Debatte, die mit dem Hastag #Aufschrei ihre Kreise im Internet zieht, ist wahrscheinlich an niemandem vorbei gegangen. Meistens finde ich solche Gesellschaftsdiskussionen recht befremdlich und weit entfernt, so als hätten sie nichts mit mir und meinem normalen Leben zu tun. Dieses Mal aber bin ich ins Grübeln gekommen. Denn es stimmt, der Sexismus, um den es hier geht, den gibt es überall.

Hier ist nun also mein Aufschrei:

Je mehr ich nachdenke, umso mehr Begebenheiten fallen mir ein. Ereignisse, die mich verstört haben, wie der Tag, an dem ein Mann quasi aus dem Nichts auftauchte, seinen Arm um meine Schulter legte und mich in die Büsche ziehen wollte.

Es sind die Sätze, das Mobbing, das sich ins Gedächtnis und die Seele eingebrannt haben, wie von einem Arbeitskollegen, den ich mal hatte, der mich zum Beispiel gerne „das fleischige Lieschen“ (Lieschen war früher generell mein Spitzname) nannte und auch sonst keine Gelegenheit ausgelassen hat um mir vor Augen zu führen, dass ich „nur“ eine Frau bin.

Da war die Angst den Job oder Auftrag zu verlieren, falls ich mich wehren sollte gegen anzügliche Sprüche („Du bist so geil!„, „Hast du zu Hause Lederklamotten und Peitsche im Schrank?„) und die Tatsache, dass der Kerl fast auf meinem Schoß saß, wenn wir etwas gemeinsam vor einem Bildschrim zu besprechen hatten.

Die Liste könnte ich noch weiterführen. Immer mehr Erinnerungen kommen hoch und mit ihnen Wut.

Ich möchte mit diesem Artikel auf keinen Fall generell Männer anprangern. So viele meiner Freunde und Kollegen sind tolle Kerle, denen so etwas nie im Leben einfallen würde. Aber es gibt eben auch die anderen. Und wahrscheinlich fällt jeder Frau mehr als ein Beispiel ein, wo es ihr schon ähnlich oder sogar schlimmer ergangen ist.

Dieser #Aufschrei war längst überfällig. Denn er geht uns alle an!

Mehr zum Projekt 12 in 2013 erfährst du hier. Über meine persönlichen 12 Ziele kannst du hier lesen.

Alles Liebe,



11 Gedanken zu „#Aufschrei

  1. Sari sagt:

    Ich muss gestehen, es ist durchaus an mir vorbeigezogen *drop* Dennoch ist es traurig, dass wir uns nicht trauen tatsächlich einmal aufzuschreien und vieles einfach ertragen. Mobbing ist mir mehr als bekannt aus der Oberschulzeit und hat mich letztendlich auch zu einem Wiederholen der Klasse auf einer anderen Schule gezwungen. ein Neuanfang quasi.

    Ich finde es mutig, dass du dich nun getraut hast und hoffe, dass Dir Dein Herz nun etwas leichter geworden ist *drück*

    • Mina sagt:

      Ich drück dich auch!!! Mobbing an der Schule hatte ich auch, allerdings nicht so schlimm, dass ich wechseln musste.

      Es sind wirklich heikle Themen. Aber ich habe in den letzten Monaten viel an Selbstbewusstsein dazugewonnen. Deshalb traue ich mich etwas zu sagen, und das ermuntert vielleicht wieder andere auch dazu! Bloggen und die positiven Nebeneffekte :)

      • Sari sagt:

        Das ist mir aber auch aufgefallen, dass du viel mehr aus Dir herausgehst und offener auf die Aussenwelt wirkst, mutiger und freier von Ballast irgendwie. Schön weiter so machen :)

  2. Moni sagt:

    Boah ich find das ja echt übel, was du dir da anhören hast müssen, ich kann das oft gar nicht glauben, dass Leute sowas tatsächlich sagen…. Ich bin ja nicht so obermäßig feminin, drum kamen mir glaub ich auch selten solche Sprüche unter (meistens eher in Richtung dick, aber selten geschlechtsspezifisch)… allerdings hab ich so ein grundsätzliches Problem mit den gesellschaftlichen Strukturen die Frauen einfach nicht im selben Maßen wie den Männern Möglichkeiten zugestehen, außer letzten Endes Ehefrau und Mutter zu sein… und damit auch automatisch den Männern verwehrt Ehemann und Vater zu sein… und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs… nach einem Semester Frauen und Geschlechterforschung hab ich schon viele Gedanken mitgenommen die mich alltäglich überlegen lassen was da eigentlich tatsächlich passiert…. ;(

    • Mina sagt:

      Ich habe da gestern nach der Fernsehdiskussion bei Anne Will schon mit Mr. Perfect gesprochen…meinst du Emanzipation und Frauenbewegung werden das jemals komplett ausgleichen können?

      • Moni sagt:

        Schwierige Sache… zumal glaub ich vielen Frauen auch gar nicht bewusst ist, dass die Rechte die wir haben noch gar nicht so ALT sind… in Ö durften Frauen beispielsweise bis 1971 nicht ohne das Einverständnis ihres Ehemannes ARBEITEN gehen… und erst mit 1989 haben alleinerziehende Mütter die gleichen Rechte bekommen wie verheiratete und durften die Obsorge des Kindes sofort selbst tragen – bis dahin ging das bei der Geburt DIREKT über auf den Jugendwohlfahrtsträger über… und ich glaub darüber ist einfach viel zu wenig Wissen in der Allgemeinheit vorhanden… oder sagen wir mal BEWUSSTSEIN… wir dürfen schon echt viel mittlerweile, sind aber noch LANGE nicht da wo wir eigentlich sein müssten finde ich.. und darum ist es schon extrem schwierig… die Einstellung einer Masse zu verändern ist halt ein langwieriger Prozess und bei den ganzen Frauenrechtsgeschichten schwingen auch Traditionen mit „so macht man das halt“… wenn bei uns nur mal aufkommt dass mein Freund vll mal zu Hause bleibt und ich arbeiten gehe, dann belächelt seine Mutter das einfach.. so quasi, der würd das ja nicht schaffen… und das ist halt einfach der alltägliche Umgang mit der Thematik… und da sich Feministinnen ja auch nicht einig sind und einige sagen: wir dürfen ja eh schon so viel, was wollen wir uns überhaupt beschweren und andere dann wieder EXTREM sind mit dem man sich auch schlecht identifizieren kann ist das halt einfach schwer… die gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen lassen sich halt nicht einfach so verändern und das braucht halt viel Zeit… vielleicht erleben wir das auch nicht mehr, aber ich denke schon, dass es nötig ist wirklich viel über seine eigenen Handlungen zu reflektieren… wenn ich so drüber nachdenke dann gibt es auch bei uns oft Situationen wo ich mir denke: WIESO MACH ICH das jetzt eigentlich und nicht ER? Einfach weil das so internalisiert ist…. hach da könnt ich lange drüber sinnieren XDDDDD x_x

  3. Matthi sagt:

    Du hast völlig recht, die Debatte ist überfällig, mehr als das so gar. Natürlich wird sie von vielen Seiten unsachlich geführt, was den Idioten die Möglichkeit gibt, die schlechten Argumente zu widerlegen und weiter so zu tun, als wäre Sexismus kein Problem .
    Ich hoffe einfach es bringt was …. und diejenigen, die sich über den Aufhänger der Diskussion, die Brüderle-Aussage, mockieren …. bei einer überfälligen Debatte ist der Auslöser egal.

    Beiträge wie deiner, von dieser Qualität, sind auf jedenfall für eine ordentliche, zielführende Diskussion, die vielleicht sogar Veränderungen mit sich bringen kann, absolut hilfreich :-)

  4. Coppy sagt:

    #Aufschrei ist sicherlich notwendig, wie es jedoch gestartet ist, halte ich für sehr fragwürdig. Die von L.H. vorgebrachten Vorwürfe sind über 1 Jahr alt und sie meldet sich just in dem Momente, als R.B. zum Spitzenkandidaten gewählt wird. Das finde ich sehr seltsam.
    Wenn die Situation damals so unangenehm war, warum hat sie nicht gleich #aufgeschrien? Das wäre wesentlich ehrlicher gewesen, zumal sie ja auch sagt, dass R.B. schon früher aufdringlich wurde. Wenn es jedoch nicht das erste Mal war und sie es als sehr unangenehm empfand, warum begibt sie sich freiwillig nochmal in seine Nähe? Sie muss ja nicht über R.B. schreiben, sie könnte auch über den Blauen Juchtenkäfer oder Deutschlands langweiligste Bahnstrecke schreiben.
    Ich meide Events, bei denen ich mich mit unsympathischen Menschen umgeben muss. Ich denke L.H. nutzt hier #Aufschrei in einer Art und Weise aus, die der Aufarbeitung des eigentlichen Problems schadet. Ich glaube, Journalisten schmücken sich nur einfach sehr gerne mit der Demontage eines Politikers, unabhängig davon, ob sie berechtigt oder unberechtigt ist.

    Bei #Aufschrei stört mich ganz besonders die vorbesetze Täter/Opfer – Rollenverteilung („Opfer-Abo?“)
    Vor einiger Zeit war ich in einer Bank in Erding, um Geld einzuzahlen. Die Bänkerin hatte eine tief ausgeschnittene Bluse an und hat sich beim Unterschreiben der Quittung besonders weit Richtung Tresen gebeugt. Auch das fand ich nicht wirklich angenehmen. Um nicht als irgendwas zu gelten, was ich nicht sein will, habe ich die Situation damals „entschärft“, in dem ich mich einfach ein paar Sekunden umgedreht habe. Dies verdient meinen #Aufschrei!
    @Moni: Dass Frauen weniger zugestanden wird, sehe ich in meinem Umfeld nicht, ganz im Gegenteil. In meinen Projekten hatte ich immer auch Kolleginnen dabei und meine Kunden haben grundsätzlich lieber mit meinen Kolleginnen gearbeitet, als mit mir und das unabhängig von Fachkompetenz. Ich erinnere mich noch, als einer der Kunden an unseren „mit Sperrmüll“ eingerichteten Arbeitsplatz kam und zu meiner Kollegin gesagt hat, dass sie so nicht weiterarbeiten kann und sie gleich in ein anderes Büro umziehen soll. Mich hat er dabei keines Blickes gewürdigt und ich durfte weiterhin im Sperrmüll hausen. Auch meine Kollegin hat nicht interveniert und nach einem Platz für mich gefragt. Ist das ein #Aufschrei… und wer müsste #aufschreien? Meine Kollegin, weil sie aus sexistischen Gründen bevorzugt wird? Ich?

    Bei #Aufschrei dreht es sich letztendlich auch um Anstand und guten Stil. Wie kann jemand #aufschreien und sich dabei gleichzeitig das Dschungelcamp ansehen?! :D

    • Mina sagt:

      Darum, wie es zum Aufschrei gekommen ist, geht es hier nicht.

      Auch Männer beteiligen sich am Aufschrei und das ist auch gut so. Dennoch passiert so etwas für gewöhnlich eher Frauen als Männern.

      Deine letzte Frage wird auch durch einen Smiley nicht nett oder entschärft, denn mein Fernseh-Geschmack kann wohl nichts damit zu tun haben beziehunsgweise mir gar das Recht nehmen zu kritisieren, dass ich sexuell belästigt und aus sexistischen Gründen gemobbt wurde.

  5. Matthi sagt:

    ich gebe dir recht, dass es zwei seiten der Debatte gibt und dass Belästigung auch von Frauen ausgehen kann …. jedoch ist dies eine andere Ebene, die selten die Integriät und Persönlichkeit des Mannes verletzt. Natürlich ist es auch nicht ok, wenn Frauen ihr Geschlecht einsetzen, um konkurrierende Männer auszustechen …. aber sie reduzieren dabei eben jene Männer nicht auf ihre Sexualität, machen ihnen keine Angst, bringen sie nicht dazu, angst zu haben an den Arbeitsplatz zurückzukehren ….

    Das Beispiel mit der Sparkasse hat nichts mit Sexismus zu tun ….. das hätte es nur dann, wenn die Dame versucht hätte, dich durch ihr Aussehen zu einem Geschäftsabschluss zu bewegen oder ähnliches … oder eben um dich anzugraben, wobei in der Konstellation das die wenigsten Männer stört

    Lange Rede kurzer Sinn: Ja, es gibt auch diese Art Sexismus, aber man kann nicht alles in einen Topf werfen bzw. auf eine Stufe stellen

    Und der Spruch mit dem Dschungelcamp …. entbehrt nicht jeglichen Kommentar, deswegen mach ich einen, aber er verdient nicht, dass man irgendwie konkret darauf antwortet …… letztendlich stellt er reine Provokation dar, ohne wirklichen Hintergrund

  6. Coppy sagt:

    @Matthi: Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Bänkerin nichts bezwecken wollte. Ich vermute sogar, dass es ihr gar nicht bewusst war, dass Kleidung und tiefer Tresen eine unpassende Kombination sind. Ich finde es aber nicht in Ordnung, das als ungültig zu definieren, bei anderen Vorfällen werden die Hintergründe auch nicht hinterfragt. Obwohl der Vorfall vermutlich 3-5 Jahre her ist, denke ich bei jedem Bankbesuch dran und ärgere mich über die Situation damals. (Heute werden elektronische Quittungen am Bildschirm ausgefüllt.)

    Der Dschungelcamp-Kommentar ist wie folgt gemeint. Es wird ein würde- und respektvoller Umgang miteinander eingefordert (was absolut richtig ist!), sich aber gleichzeitig an der würde- und respektlosen Darstellung Dritter köstlich amüsiert (was nicht richtig ist!). Auch der Zusammenhang passt, denn die Screenshots, die ich in der n-TV-Artikelübersicht gesehen habe (z.B. CloseUp-Bikini-Hose von hinten) ist reichlich sexistisch, genau wie die Artikel über den Körper eines alten Mannes. Danach habe ich nicht mal mehr die Artikel gelesen. Wer dieses Format unterstützt, unterstützt auch ein bisschen den respektlosen Umgang miteinander.
    Ich kann mich schließlich auch nicht darüber ärgern, dass ich dieses Jahr nur Frequent Flyer bleibe, aber nicht Senator werde und gleichzeitig gegen Flughafen demonstrieren oder mich bei 140km/h auf der Landstraße aufregen, dass mich der Motorradfahrer mit 180km/h überholt.

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